REIGEN 
27.3.19, 17:51
Geposted von Kerstin Seidel

REIGEN



Die Sonne streichen wir
in der Farbe glitzernden Glücks
und gegen alle Zweifel reifen
unsere Träume zu gold, blühen
bunt vor dem Fall auf unseren
Weg über bucklige Steine,
die sich sträuben gegen
geordnete Schritte tanzen
unsere Füße Farben und Fantasie
in‘s geschliffene Parkett,
ein Reigen im Regen gegen
das Aufblühen der Angst unsere
Füße tanzen und tanzen weiter
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FLUCHT 
27.3.19, 17:49
Geposted von Kerstin Seidel

FLUCHT



Sie
haben einen Käfig erfunden,
die Mauer, die geschlossene Abteilung,
das immanente System
und wir -
den Tunnel,
die Tür, den Graben,
Risse in der Mauer,
Löcher im Zaun
mögen sie uns
nach Hause bringen
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FRÜHLING 
27.3.19, 17:47
Geposted von Kerstin Seidel

FRÜHLING



Ich fege mit leichter Hand
den Schreibtisch leer und
lüfte den Winter zum Fenster
hinaus, gehe zum Regal, sammle
die verstaubten Visionen ein
und werfe sie zur Tür raus,
wo sie davon fliegen können
Ich schaffe Platz für zärtliches Grün
und einen Wald, in dem wir uns
treffen können, ein schöner,
sonniger Ort, an dem ich zu dir sage,
das bleibt mein Geheimnis
Mit dem Vorschlaghammer
geh ich auf leere Stunden los
und schaffe Raum für Liebes-
Geflüster, das schon lange
in der Luft liegt
wie der Duft von Narzissen
und Neubeginn

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Auf Kurs 
10.3.19, 19:22
Geposted von Kerstin Seidel

AUF KURS



Ich öffne die Tür und höre
Wolken wachsen und
Nebel aus der Wiese,
der aufsteigt wie ein Geist
aus frischgemähtem Gras
neben dem Geräteschuppen
der Weg führt zum Fluss
vorbei an der alten Mühle,
an meinen Händen klebt Mehl,
Mondstaub vom Himmel
sinkt die Dämmerung,
die aufsteigt aus dem Wasser
bis ich weiß ob ich
Spiegelbild bin oder Original
halte ich den Kurs
Richtung Sterne

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Spuren 
10.3.19, 19:18
Geposted von Kerstin Seidel

SPUREN



Im Kopf die Vorstellung
rückkehrender Zugvögel
bald ist Frühling auf dem Deich
tanzte der Wind, der Wind
tanzte mit mir wehte fort
Entwürfe, gelöschte Entwürfe
von Einsamkeit erfahren in
blendenden Selbstgesprächen
mit Schnee unbewegt, unentwegtes
sich Entfernen mein Blick
sah ich, ging an Dir vorbei, später
nahm ich die Fährte wieder auf
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Aufgrund 
10.3.19, 19:15
Geposted von Kerstin Seidel

AUFGRUND



Sie schien, zu lauschen
ob sein Herz noch schlug
zurück gekehrt vom Dunkel
war hier sein Zuhause er war
das Kind im Brunnen nur Farne
und Farben kletterten am geknüpften
Seil seiner Selbst ans Licht
gegen die Angst half ihm
die Partitur des Pinsels
löste Formen in Fantasie
und Dinge von Namen, Tage, Nächte
nichts als Nuancen seiner Tiefe
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Genesung 
10.3.19, 19:04
Geposted von Kerstin Seidel

GENESUNG


Du nistest tief im Zweiggewöll
der Weide wachsen Winterfrüchte
deinem Wesen geb ich Wohnung
wie die Wallnussschale wickelst du
nackte Worte in das Fuchsfell und
vom Deich rufen Vögel fremde Bilder
die jetzt Schatten werfen auf Papier
schreibst du deinen Namen neu
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Augenblick 
10.3.19, 19:01
Geposted von Kerstin Seidel

AUGENBLICK



Diese zitternde Stunde
am Grunde unseres Seins,
die unsere Farben ins Endlose
schleuderte und das Licht
in Schlaflosigkeit bannte
dein Blick die Nachmittage neu
führte uns zu den Ursprüngen
unserer Unmöglichkeit zurück,
zu den Wurzeln unserer Wahrheit
bis unsere Lippen
und unsere Hände voll
waren mit den Versprechen,
die die Welt uns gab, um uns
in ihrem Schweigen zu erneuern
im Augenblick unserer Anwesenheit
im Spiegel des Seins,
als Wir nach Lichtklecksen suchten
und mit Leichtigkeit geboren wurden
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FREI 
10.3.19, 18:59
Geposted von Kerstin Seidel

FREI



die Wände des Hauses zerbrachen
verbrannt wie Zigarettenpapier
wachsen andernorts wieder nach
rissig, mit Absenkungen.

Mein Haus ist jeden Tag neu:
beweglich, mäandernde Korridore
atmen mit einer Stimme die Stille
steht im Spiegel, der blind ist.

In meinem Garten liegen Schätze,
ein Kind, dem die Schultern
zu Schwingen wuchsen, ein Ball,
ein Korb, Kohle.

Eines Tages, war mein Haus fort,
eine Fantasie, Origamipapiervogel,
Ortlosigkeit und ich suchte
die Trümmer unter gelbem Regenhimmel,

da flog mein Traum davon,
ein Schwarm brennender Vögel
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Hoffnung 
10.3.19, 18:57
Geposted von Kerstin Seidel

HOFFNUNG



Niemand, der niemand zu Nichts
entführt die schmalen Schatten
hinter vernageltem Tor stummen
die Sterne und werfen ihr Licht
ins Dunkel treten traurige Tänzer
hinter Gerümpel hervor trotzend
dem bröselnden Putz,
dem bröckelnden Stein
komm du, Tag,
brennender Bruder
erleuchte das Bild,
bunte die Stunde mit
frenetischen Farben und
füge die Trümmer
zum Tragen des Daches,
zum Morgen der Münder,
die küssen und glauben
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