Nähe  
21.11.23, 13:58
Geposted von Kerstin Seidel

Nähe



Wieder rückt mir
die Stadt näher
schreibt neue Namen
in mein Gesicht
Leuchtreklame die ich
lese über dem regengeplätteten
Tummelplatz
hängt das Versprechen auf
Wärme im Kaufhaus stürzen
die Preise ins Bodenlose
wie ich steht die Zeit still
nasse Nähe mit Fremden
dazwischen Frau mit Hut
wo sind die Wiesen
von der Stadtmitte bedeckte
Tagträume in Beton gegossen
wo Jahreszeiten
eine Hoffnung heften
an den Himmel
oder
Papiergesichter
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Frei fühlen  
18.11.23, 11:18
Geposted von Kerstin Seidel

Fühlen Sie sich!



hier und überall
den Hirnentleerten Inhalt –
Fühlen Sie sich?
befriedigt, aber schnell
sind sie wieder unzufrieden.
Dann Fühlen sie sich irritiert
bis sie voll
kommen
klar
kommen sie
& lüften Sie sich einfach mal aus –
oder Befreien sie sich,
wenn sie sich festhalten
lassen sie los
&
fahren sie fort
bis zur nächsten Völlerei, dort
Fühlen SIE SICH ab
& zu sind sie
voller
Tatendrang
Fühlen Sie etwas
Kaltes – ein Kühlkissen
auf ihrem Hals voll-
ständig gehen sie
den Taten & Tatsachen
bis auf den Grund
leeren sie sie
& Fühlen SIE SICH
selbst und
auf einmal
sind Sie wieder wer
oder was sie sind:
vollständig frei
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Heimat/ Halbdunkel  
15.11.23, 09:22
Geposted von Kerstin Seidel
Zyklus- Heimat:

Halbdunkel



Im dunklen Zimmer des Himmels
polterte ein Gewitter herum, doch ich nahm mein Handtuch unter den Arm und ging zum Fluß quer über das Land
Wandernd, seh ich immer zur
Hälfte Wolken, Geheimnisse
Hör ich zur Hälfte in einer
Siedlung aus Wohnwagen, mobile Behaglichkeit zwischen
Brennesseln, Schilf, platschte
ein Regentropfen, groß wie einer der
Boskop, die auf der Straße
Lagen, auf meinen Arm dennoch
holte ich meine Flügel hervor und
wollte mit ihnen als Phönix
über die Elbe hinstreichen plötzlich
plumpsten hinter mir die Wohnwagen weg,
es stoben Wasserläufer zur Seite, ließen
wie Schlittschuhe ihre
geschliffenen Kufen dahin schießen
nun schloss ein Blitz die Schleuse auf,
die Regentropfen verwandelten sich
in lodernde Dochte in einer Sturmlaterne
Wow , Was da auf mich zukommt,
dachte Ich,
während ich zum Steg schwamm,
dabei sind schon so viele Herzen
in mir ausgelöscht,
wenn ich beim Fühlen
Erstarren spürte, glaubte ich, ich müsse
das Alles auf mich nehmen, um umständlich
in mich zu finden, deswegen
Sitz ich jetzt im Donner
bei regengeplätteten Weiden
die sonst sich sanft im Licht wellen
und ich sitze im Halbdunkel
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Celle Altstadt Tourismus  
12.11.23, 17:55
Geposted von Kerstin Seidel

CELLE ALTSTADT



Der Schornstein schmückt das Dach
wie ein erhobener Zeigefinger teilt
er die graue Wolkendecke zum
Murmeln um das Haus flüstern
Verstorbene und der Wetterhahn
ihre Sagen, Märchen und Gebete
fallen wie Mörtel aus den Backsteinfugen,
vor allem aber
der Klang von Glocken und Duft von Kaffee
schwebt übers Dach,
hängt in der Luft als etwas,
das schon lange lebt
inmitten leerer Fenster
steht ein blasser Mann
mit Koffern voll Einmachgläsern
und Tagebüchern und die Touristen
tragen selbst Augen und Münder
mit nach Hause
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Heimat- Bett 
9.11.23, 17:12
Geposted von Kerstin Seidel
Zyklus -Heimat:

Bett



Regenerativer Raum mehr als Möbel
dort mein Körper auf der Matratze
diese Matrix angepasst
an die Membran meiner Mitte
entspannen die Muskeln im Ruhemodus,
mäandernde Blutbahnen zentriert
im retardierenden Rhythmus des Herzens
geborgen im Futteral
aus Decken und Kissen eingesunken
in diese Bauchtasche der Stille
gefüllt mit Hitze und Haut-
Keimzelle des Schlafes
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Inmitten der Mensch  
8.11.23, 08:35
Geposted von Kerstin Seidel
Zyklus HEIMAT

INMITTEN



Du lässt das Kind von deinem Schoß
und es geht seinen Weg
in der Gestalt der Mutter
verliert sich hinter der Biegung

erstarrt die Landschaft
zum Bild,
du blätterst im Album -
Siedelsbrunn, Annweiler, Pfingstweide,
die Lichtungen des Lebens,

wie groß ist die Freude
wenn sich die Jahre wenden
zur Erde werden, ein Garten grünt
neue Gedanken golden und ganz
sammelt sich der Mensch in der Mitte
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Flüchtling 
4.11.23, 08:24
Geposted von Kerstin Seidel
Zyklus -Heimat:

FLÜCHTLING



Mir wurden zwei Hände
zum Darreichen geboren,
Haut, die zu Staub zerfällt,
wenn sie sich darreichen muss
an der Stelle, wo das Herzklopfen
vorgesehen war diese wortlose Sprache
erstirbt in den Winden - wie viele
Heimatländer spielen ihre Karten
ins unbekannte Asyl mit dem Atem
der inneren Rede,
durch die Klagemauer der Luft
zieht die geistige Himmelfahrt
aus schneidendem Schmerz, o Seele
verzeih, dass ich dich führte zu so
vielen Herden der Unruhe
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Am Abzug  
31.10.23, 09:06
Geposted von Kerstin Seidel
Zyklus- Heimat

AM ABZUG



Dein Körper nesselt sich
als Leinwand, du malst dich krumm,
deine Haltung ähnelt dem Fluss,
der Kopf sitzt schief,
eine Halde für Humus,
es gedeihen Panzer und Palisaden,
dein Herz ist amputiertes Gebiet
flächendeckend vermint gegen
das Gedächtnis reicht zurück
bis zu deiner Geburt - Du,
eine Maschine, deren Tentakel
das Denken tötet
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Klarheit  
29.10.23, 10:04
Geposted von Kerstin Seidel
Zyklus- Heimat

KLARHEIT



In der Weite wunderbarem Blau,
wo das Silbern der Buchen wandert
mit himmelerklimmenden Wurzelbeinen,
wird die Hoffnung destilliert
für Alle, die im Tal leben

Die Sonne liegt am Straßenrand
mit Stoppuhr und gebietet
den Eilenden Einhalt

Die bleiben stehen
hinter der gläsernen Klagemauer
während das Kind zart kratzt
am Unsichtbaren

und der Fels seinen Stein
tanzend in Klang verwandelt
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Langstreckenläuferin 
18.10.23, 09:56
Geposted von Kerstin Seidel

Langstreckenläuferin



sie läuft
gegen die Zeit und für sich gewinnt
Gewissheit zuckt in ihrer Hand
neuer Weg endlos
am Strahlen einer Ferne aufgehängt
die Sterne lügen nicht-
alles Leuchten lebt in ihren Augen
wie schlafende Melodien schlägt ihr Herz
ruhig und stetiges Staunen hauchen
Worte der Luft Leben ein,
geheimnisentbundene Gedanken
lösen Grenzen frei fallen die Schleier
- nackte Wahrheit, fliegende Frau
- ein reines Weiß auf Erden
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