ZAUBER  
22.7.23, 07:46
Geposted von Kerstin Seidel


ZAUBER



Aus Farben und Firnis
formte er kleine Vögel,
die auf sein Wort hin
über den Fluss flogen,
sein Fußtritt war so leicht,
dass er spurlos über das Wasser lief,
alles Schwere rief er himmelwärts
mit einem einzigen Wort
vereinte er zweierlei Körper und
behauchte die Dinge mit neuer Bedeutung,
zerschlafene Wäsche
lustgedeckter Tisch -
bewußte Berührung
zum Unsichtbaren
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FINDEN 
20.7.23, 06:17
Geposted von Kerstin Seidel


FINDEN



Wir lesen uns mit Fingern,
deine Haut
ein Buch mit unbeschriebenen Seiten,
jede Pore ein Buchstabe in Brailleschrift,
weich
wortloses Finden,
dein Innerstes entfaltet seine Mitte
und mein Lächeln nimmt Platz
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Augenblick  
15.7.23, 10:03
Geposted von Kerstin Seidel


AUGENBLICK



Dann, seine Augen wechseln die Farbe-
Abglanz des Abends- Grün zu Grau
zu blauer Stunde sanfte Sonnenstrahlen,
in denen Träume ruhen zwischen den Zellen des Gehirns,
in denen sie entstehen transferiert sein Blick mich
in die Schönheit hinein von diesem Körper,
der mich stecken macht
in Dingen, von denen ich wissen will,
in denen ich sein kann,
ein lebender Weg sind wir hinaus
in die Welt, in der wir uns bewegen
in fließenden Gedanken
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Mühelos  
9.7.23, 17:33
Geposted von Kerstin Seidel


MÜHELOS



Mit ihm ein Einfachso
aufwachen & lebendig
Lächeln der Tag lichtet
den Horizont bleibt weit
ausgestreckt wie seine Beine
unter der Decke deckungsgleich
die Haut,
diese mäandernde Membran
aus sanften Sonnenstrahlen
zeichnen seine Küsse mir Muster
auf die Haut in Wellen
wortlos atmen & Einssein
wie lustvoll
dieser mühelose Moment
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Spaziergang  
24.6.23, 08:54
Geposted von Kerstin Seidel

Spaziergang



Das türkisfarbene Fahrrad
rostet im Garten,
eine Art moderne Landschaftsgestaltung -
menschlicher Wille zur Form,
Schwalben jagen sich bis
unter den First wächst das Morgenlicht,
über dem Elbtal ziehen windeilige Wolken,
meiner verrinnenden Zeit
kann ich keine Bilder versprechen,
Luft schwült gewittrig,
die Sonne schwitzt Schwebeteilchen
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Sommer Morgen am Deich  
18.6.23, 08:01
Geposted von Kerstin Seidel

Sommermorgen am Deich



Böen von Möwen
bekreischen den Himmel
bis die Scheibe birst,
Blütenblätter taugeplättet
auf dem Weg,
noch feuchtes Kühl
küsst das Geländer,
die Treppe aufwärts,
der Horizont an den Himmel geritzt,
im Wolkenmeer der Sonnenfisch
lässt sich treiben,
Windräder drehen sich träge,
Licht verlängert den Tag
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Diese Straße  
14.6.23, 14:33
Geposted von Kerstin Seidel

Diese Straße,



Abfahrt zur Ortsmitte -
aus den Leitplanken schoben sich zur Begrüßung Mohnblumen, wucherndes Wild und Begrenzung zugleich,
diese Straße
war mehr als das Repertoire ihrer Aufgabe,
sie manifestierte die Beschaffenheit ihrer Besucher,
die Möglichkeit zur Verschmelzung mit dem Moment,
mohnblumig sanfte Sehnsucht in typischen Farben,
azurblau der Himmel,
dahinter beinah unsichtbar mäanderte der Fluss,
simulierte Stille, dazwischen der Asphalt,
eine Membran aus Schwarz und Weiß,
rechts und links der Straße bohrten sich Kirchtürme
in den Himmel und zurück,
die Häuser in Backsteinbescheidenheit,
ihre Fassaden spiegelten ihr Inneres
und vorbeieilende Passanten in changierendem Pastell ,
die schnell wechselnden Farben blühender Mitte,
eine blumige Referenz
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Bunte Bilder  
28.5.23, 08:51
Geposted von Kerstin Seidel

Bunte Bilder



stechen ins Auge
in den Ohren die Paragrafensprache
stanzt Nichtwissen in die Netzhaut
für die Verpuppung präpariert

Der Raum ist aufgeschlossen

Homogenisierte Masse Mensch
verdunstet:
Darunter die Quintessenz-
Das Wort „Friede“ gefällt

es passt perfekt zu jedem verformbaren Körper
kopfloses Treiben von Tauben schreiben
in blutiger Schrift Tatsachen

An den zerklüfteten Zeilen hängen
Hoffnungsfetzen:
Und es ward Licht

verfolgt uns bis Heute
auf unserer Flucht
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Hoher Morgen  
10.5.23, 08:38
Geposted von Kerstin Seidel

Hoher Himmel



Die Häuser träumen unter ihrer
Wolkendecke und der Sommer
haftet an nichts
als den Schwalben, wie Spreu
in den Himmel geworfen
und herab gesunken
auf die Dächer meiner Siedlung
im Licht wechseln vertraute Winkel
ein Lächeln mit den Furchen
aus Wegen und Wiesen dazwischen
rollt mir der Raps
einen gelben Teppich aus
und neue Wege öffnen sich
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ABWÄRTS  
7.5.23, 15:01
Geposted von Kerstin Seidel

ABWÄRTS



haben wir uns
im freien Fall verloren
unter Wölfen im Norden
hängt der Winter lange eisig
auf der Wäscheleine flattert
dein Hemd auf und ab
klammert sich mein Auge
an dich,
mein Atem wickelt sich
wie ein Schal
um deinen Hals und
wärmt das Danach -
hier habe ich dir mein Herz
entfaltet
es hängt zum Trost im Schrank
neben dem Smoking glatt gebügelt
hast du mir deine Worte
in den Mund gelegt,
auf meiner Netzhaut
brennen deine Farben
bis das Licht
die Erinnerung versengt
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